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  • Wenige Stories waren in den vergangenen Jahren in der deutschen Wirtschaftspresse so populär wie Geschichten rund um Gründer und Startups. Sehr häufig aber kamen dabei in erster Linie vermeintliche Experten zu Wort, die aus der Politik, der Forschung oder aus Großunternehmen stammen. Keine Frage, auch sie haben eine interessante Perspektive auf das Thema und können wichtige Beiträge leisten. Nur, was ich persönlich oft vermisst habe, das sind die Erfahrungsberichte der Gründer. Realistische Berichte von Erfolgen und Hürden, die ein wahrheitsgetreues Bild des Status Quo für Gründer zeichnen – irgendwo zwischen „alles super“ und „den spektakulärsten Fuck Ups“ … denn, nein, eine Geschäftsidee in den Sand zu setzen ist nicht cool.

    Und genau deshalb freue ich mich auf den bevorstehenden Startup BW Summit: ein eintägiges Event auf dem Areal der Messe Stuttgart, bei dem 340 Startups zusammenkommen, um sich gegenseitig kennenzulernen, neue Kontakte zu knüpfen, den einen oder anderen Mitarbeiter zu gewinnen und um auf neue Ideen zu kommen. Kurzum, eine gute Sache.

    Was mich besonders daran reizt: Das Event richtet sich ganz gezielt an Startups aus dem „Ländle“ – die große Mehrheit der Teilnehmer stammt aus den BW-Metropolen Stuttgart, Karlsruhe und Mannheim. Auch wenn einige Landsleute auch heute noch am liebsten zwischen Baden und Württemberg (Schwaben) eine Mauer errichten würden, so ist doch eines klar: Die Startups in den Großstädten im Südwesten und in deren Einzugsgebieten haben allesamt vergleichbare großen Herausforderungen, die sie miteinander verbinden.

    Damit meine ich natürlich nicht die klassischen Aufgaben wie Produktentwicklung, Vertrieb usw., damit haben auch etablierte Unternehmen – bis auf wenige Ausnahmen – permanent zu kämpfen. Große Schmerzen bereiten Startups in diesem Umfeld, zumindest meiner Meinung nach, vor allem Personalfragen. Speziell Stuttgart ist als Sitz vieler Weltmarkt- und Technologieführer bekannt, und hier ist der Kampf um Mitarbeiter grundsätzlich extrem hart. Erschwerend kommt hinzu, dass die Großstädte in Baden-Württemberg für Startup-bereite Mitarbeiter nicht sonderlich attraktiv sind. Das mag leider auch ein Henne-Ei-Problem sein: Mitarbeiter, die gerne für Startups arbeiten, tun dies am liebsten in Städten, in denen es viele Startups gibt. Damit es aber viele Startups gibt, muss man die Menschen entsprechend anlocken. Generell erfordert eine florierende Startup-Community ein entsprechendes Ökosystem. Klar können hier Unis, Verbände und Politik Einfluss nehmen, aber am Ende des Tages muss so etwas wachsen und kann nicht „verordnet“ werden. Ich bin gespannt, ob der Startup BW Summit dieses Thema aufgreift.

    Ein weiterer Punkt, den ich gern mit neuen und alten Freunden auf der Startup-Messe in Stuttgart diskutieren möchte: Mentalität als Standortfaktor. Nun ist dies natürlich ein schwer zu fassender Begriff, aber dennoch scheint mir, dass die Erfolgsgeschichte vieler internationaler (Hidden) Champions in der Region – neben allen Vorzügen – auch negative Effekte hat. Die Bereitschaft für Risiken, zum Hinterfragen, das Interesse an grundlegend Neuem, scheint vielerorts im Laufe der (erfolgreichen) Jahrzehnte massive gesunken zu sein. Sicherlich sind die Tugenden, die zum Erfolg der Region beigetragen haben – Genauigkeit, Zuverlässigkeit, Ausdauer – auch heute noch wichtig, aber sie alleine genügen im zunehmend internationalen Wettbewerb einer mehr und mehr digitalisierten Welt nicht.

    Ich wünsche mir von den Unternehmen und Unternehmern in der Region – egal ob jung oder alt – mehr Bereitschaft für Veränderung. Dies umfasst auch den Willen der Mitarbeiter kontinuierlich zu lernen, die Fähigkeit der Organisation sich an dynamische Märkte anzupassen sowie das Streben immer besser zu werden, denn: Ein etabliertes Traditionsunternehmen mag damit zufrieden sein, wenn es gelingt seine Position zu sichern – ein Startup hingegen muss sich seinen Platz erst erkämpfen. Am besten passt hier wohl der Vergleich mit dem Boxen: Der amtierende Weltmeister behält meist seinen Titel, wenn er unbeschadet aus dem Ring steigt – er muss nicht besser sein als der Herausforderer. Der Herausforderer aber muss extra großes Engagement zeigen und den Kampf klar gewinnen, wenn er den Titelinhaber vom Thron stürzen möchte. Wie es darum bestellt ist, wird der Startup BW Summit sicherlich auch zeigen.

    Nicht weniger spannend finde ich das Thema der Unternehmensfinanzierung. Wo man in mancherlei Hinsicht das Gefühl haben könnte, dass im Südwesten das Geld auf der Straße läge, so scheint aber sobald ein Startup auf die Straße einbiegt, gerade die Kehrmaschinen unterwegs gewesen zu sein. Sicherlich gibt es einige schöne Förderprogramme vom Land, aber „echtes Investorengeld“ ist im Ländle nur schwer zu bekommen. Nicht wenige Gründer berichten mir davon, dass es in München und Berlin wesentlich einfacher ist für ein schwäbisches Startup Investoren zu finden als in Stuttgart. Die ganz Mutigen wagen sogar den Blick ins Valley oder gar nach China – mit zunehmendem Erfolg. Ob dies im Sinne der heimischen Wirtschaft ist, das wird die Zukunft zeigen. Wir werden sehen, welche Meinungen beim Startup BW Summit vertreten sein werden.

    Wir sehen uns … Freitag, den 01. Februar auf dem Areal der Messe Stuttgart, direkt neben dem Flughafen.