„Beliebiges Material“ wählen: Warum Sie trotzdem immer eine definierte Qualität erhalten

Beliebiges Material

Bei der Bestellung von Metallteilen steht am Anfang fast immer dieselbe Frage: Welches Material soll ich wählen?
Gerade wenn Bauteile funktional einfach sind oder sich noch in einer frühen Projektphase befinden, ist diese Entscheidung nicht immer eindeutig. Oft ist klar, dass ein Teil aus Stahl, Edelstahl oder Aluminium bestehen soll – die genaue Legierung spielt jedoch zunächst keine entscheidende Rolle.
Auf der Laserhub-Plattform gibt es für genau diese Situation eine Option: „beliebiges Material“.
Was zunächst unbestimmt klingt, ist in der Praxis jedoch klar geregelt – und vor allem mit einem wichtigen Prinzip verbunden: Sie erhalten immer mindestens eine definierte Standardqualität.

Christian Gebhardt

Als Technologie Lead hat Christian zum Ziel, die Produktsparte Blechbearbeitung auf das neue Level zu bringen. Er ist für Optimierung der Kostenkalkulationen, Weiterentwicklung der Blechbearbeitungsprozesse und Lösung von technischen Problemstellungen auf der Laserhub-Plattform zuständig. Dabei schaut er auf eine mehrjährige Berufserfahrung als Projektingenieur für Laseranwendungen beim Fraunhofer (USA) zurück, als Project Lead Laser bei Magna International sowie als Betriebsleiter bei Hujer Lasertechnik GmbH.

Hobbys: Er liebt es, mit seiner Familie und dem Hund draußen zu sein und werkelt gerne an seinem Haus.

Christian Gebhardt Laserhub Team

Was hinter „beliebigem Material“ tatsächlich steckt

Die Bezeichnung „beliebig“ bedeutet nicht, dass ein Produzent irgendeinen Werkstoff verwendet. Jede Materialgruppe basiert auf einem sogenannten Referenzmaterial, das gleichzeitig den Mindeststandard darstellt.

Typische Referenzmaterialien sind zum Beispiel:

Diese Werkstoffe bilden die Grundlage für die Preisberechnung – und gleichzeitig die Untergrenze für die Materialqualität.

Das bedeutet konkret: Wenn Sie auf der Laserhub- Plattform „beliebigen Stahl“ auswählen, erhalten Sie mindestens ein Material mit den Eigenschaften von S235. Ein Werkstoff mit geringerer Qualität kommt nicht zum Einsatz.

Unterschiedliche Materialien – nicht bessere oder schlechtere

Wenn Kunden sich erstmals intensiver mit Werkstoffen beschäftigen, entsteht schnell der Eindruck, dass bestimmte Materialien grundsätzlich „besser“ sind als andere. In Wirklichkeit unterscheiden sich Metalle vor allem in ihren Eigenschaften und Einsatzbereichen.

Ein Beispiel aus dem Stahlbereich verdeutlicht das gut.

Die Bezeichnung S235 beschreibt einen Baustahl mit einer Mindeststreckgrenze von 235 MPa. Andere Stähle besitzen höhere Festigkeiten:

  • S355 mit einer Streckgrenze von mindestens355 MPa
  • S700 mit deutlich höherer Festigkeit von 700 MPa

Diese Materialien sind jedoch nicht automatisch hochwertiger – sie sind schlicht für andere Anforderungen konzipiert.

Wenn Sie „beliebigen Stahl“ wählen, erhalten Sie mindestens S235. In einzelnen Fällen kann es auch vorkommen, dass ein Produzent ein höherfestes Material verwendet, etwa weil dieses gerade auf der Anlage verfügbar ist. Entscheidend ist jedoch: Unterhalb des Referenzmaterials wird kein Werkstoff eingesetzt.

Warum diese Option in der Fertigung sinnvoll ist

Um zu verstehen, warum die Option „beliebiges Material“ existiert, lohnt sich ein Blick in die Praxis der Metallverarbeitung.

In nahezu jeder Produktion entstehen nach einem Schneidauftrag Restflächen auf einem Blech, die für kleinere Teile weiterhin genutzt werden können. Gleichzeitig kostet es Zeit – und damit Geld –, ein neues Material auf eine Maschine zu legen.

Wenn ein Auftrag ohne festgelegte Legierung eingeht, kann ein Produzent deutlich flexibler planen.

Angenommen, auf einer Laserschneidanlage wurde gerade ein Auftrag abgeschlossen. Auf dem Blech befindet sich noch eine ausreichend große freie Fläche. Für ein kleineres Bauteil kann es wirtschaftlich sinnvoll sein, genau diese Fläche zu nutzen – anstatt ein neues Blech aufzulegen.

Das spart mehrere Arbeitsschritte in der Fertigung:

  • neues Material bereitstellen
  • Blech auf die Maschine auflegen
  • Anlage neu einrichten
  • zusätzlichen Materialtransport organisieren

Diese Zeitersparnis macht es möglich, Aufträge effizienter zu fertigen. Genau deshalb kann „beliebiges Material“ in bestimmten Situationen auch wirtschaftlich interessant sein.

Was das für Einkäufer bedeutet

Für den Einkauf bringt diese Flexibilität vor allem eines: eine einfachere Entscheidungsgrundlage.

Nicht jedes Bauteil benötigt eine exakt definierte Legierung. Wenn die Funktion des Teils keinen spezifischen Werkstoff erfordert, kann die Auswahl „beliebiges Material“ den Bestellprozess deutlich vereinfachen.

Typische Vorteile sind zum Beispiel:

  • schnellere Entscheidungen bei der Materialwahl
  • weniger Abstimmungsaufwand zwischen Konstruktion und Einkauf
  • mehr Flexibilität in frühen Projektphasen

Gerade bei einfachen Bauteilen oder kleineren Bestellungen hilft diese Option, den Fokus auf das eigentliche Ziel zu legen: ein funktionierendes Bauteil in der gewünschten Qualität.

Ein möglicher Nebeneffekt: höherwertige Materialien

In der Praxis kommt es gelegentlich vor, dass ein Produzent ein Material verwendet, das über dem Referenzstandard liegt.

Das kann zum Beispiel passieren, wenn auf der Anlage gerade ein hochwertigeres Blech verfügbar ist. In solchen Fällen kann das Bauteil zufällig aus einem Material mit anderen Eigenschaften gefertigt werden – etwa mit einer besonders gleichmäßigen Oberfläche.

Auch Varianten mit bereits optimierten oder geschützten Oberflächen (z. B. h9-Material) können vorkommen. Wichtig ist jedoch: Das ist kein Versprechen, sondern lediglich ein möglicher Effekt der Produktionsplanung.

Der entscheidende Punkt bleibt unverändert: Die Materialqualität liegt niemals unterhalb des Referenzstandards.

Wann „beliebiges Material“ besonders gut passt

Die Option eignet sich vor allem dann, wenn das Bauteil keine speziellen Materialanforderungen erfüllen muss.

Typische Beispiele sind:

  • einfache Halterungen oder Funktionsbleche
  • interne Bauteile ohne besondere Belastung
  • nicht-funktionale Bauteile, die anschließend beschichtet werden
  • Prototypen bzw. Komponenten in frühen Entwicklungsphasen

Gerade in der Prototypenphase oder bei ersten Entwicklungsständen steht häufig die Geometrie des Bauteils im Mittelpunkt. Die exakte Materialdefinition erfolgt oft erst später. In solchen Situationen kann „beliebiges Material“ eine pragmatische Lösung sein.

Auch wenn Sie sich unsicher sind, welche Legierung tatsächlich erforderlich ist, kann diese Auswahl eine gute Ausgangsbasis darstellen.

Wann ein konkretes Material sinnvoller ist

Natürlich gibt es auch Anwendungen, bei denen die Materialwahl genau definiert sein muss. Das betrifft insbesondere Bauteile, bei denen mechanische Eigenschaften oder Normvorgaben eine zentrale Rolle spielen.

Ein spezifischer Werkstoff sollte gewählt werden, wenn beispielsweise

  • Berechnungen auf einer bestimmten Festigkeit basieren
  • Normen oder Zertifizierungen erfüllt werden müssen
  • Materialeigenschaften exakt vorgegeben sind
  • sicherheitsrelevante Komponenten gefertigt werden
  • Sichtelemente mit Oberflächenanforderungen

In solchen Fällen ist es sinnvoll, den Werkstoff eindeutig festzulegen, damit Konstruktion und Fertigung exakt aufeinander abgestimmt sind.

Fazit: Mehr Flexibilität – ohne Qualitätsrisiko

Die Option „beliebiges Material“ auf der Laserhub-Plattform wurde eingeführt, um die Materialauswahl einfacher zu machen. Sie richtet sich vor allem an Kunden, die keine spezifischen Anforderungen an eine bestimmte Legierung haben.

Dabei gilt ein klarer Grundsatz: Sie erhalten immer mindestens das Referenzmaterial der jeweiligen Materialgruppe.

Für Stahl bedeutet das beispielsweise S235, für Edelstahl 1.4301 und für Aluminium EN AW-6012.

Gleichzeitig ermöglicht diese Flexibilität den Produzenten, vorhandenes Material effizienter zu nutzen und Aufträge sinnvoll in ihre Produktion einzuplanen.

Für Einkäufer entsteht daraus eine einfache, aber wichtige Erkenntnis:
Wenn keine speziellen Anforderungen bestehen, kann „beliebiges Material“ eine pragmatische und sichere Wahl sein – ohne Kompromisse bei der Qualität.

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