5 Denkanstöße für industrielle Start-ups (und jedes andere Unternehmen)

Spätestens mit dem Wechsel ins Homeoffice fragten sich alle: Was muss jetzt geschehen, damit mein Unternehmen die kommende Zeit übersteht? Gemeinsam mit den 3D-Druck-Kollegen von One Click Metal haben wir fünf Ansätze gefunden, die gerade für industrielle Start-ups gelten (aber auch für alle anderen lesenswert sind). 

Da man selten auf gute Ideen kommt, wenn man allein im stillen Kämmerlein sitzt, suchen wir immer gerne den Austausch mit spannenden Unternehmen. Gerade in der aktuellen Situation gibt es schließlich genügend Gesprächsthemen. One Click Metal ist eines dieser spannenden Unternehmen. Das Start-up entwickelt gerade bezahlbare (!) Metall 3D-Druckmaschinen für die industrielle Fertigung – im Sommer sollen die ersten Maschinen ausgeliefert werden. Auf eine gute halbe Stunde trafen sich im virtuellen Raum Gründer Björn Ullmann, Alex Wilms (Vertrieb) und Miriam Stiller (Marketing) mit den Laserhub-Kollegen Jethro Kramer (Vertrieb) und Anton Tsuji (Marketing) zum kleinen Plausch. Wir haben fünf Denkanstöße festgehalten, die sich daraus ergeben haben.

1. Die Effizienz erhöhen

Sowohl One Click Metal als auch Laserhub sind als Start-ups natürlich grundsätzlich auf schnelles (wenn auch gesundes) Wachstum ausgelegt. Daran ist momentan in der metallverarbeitenden Industrie nicht mehr zu denken. Für beide Unternehmen gilt aber glücklicherweise, dass das Geschäft trotz Krise noch weiterläuft. “Es kommen durchaus noch einige Anfragen rein”, bestätigt Jethro, der nach wie vor viel telefonieren muss. “Bei allem was reinkommt ist es die Kunst sicherzustellen, dass nicht so viel wieder rausfließt.” Genau jetzt sei der Zeitpunkt mal auf die laufenden Kosten zu schauen und darüber nachzudenken, ob wirklich 20 Lizenzen einer Software benötigt werden oder nicht. 

Jethro Kramer vom Laserhub-Vertrieb

Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um manche laufenden Kosten zu hinterfragen.

Jethro Kramer vom Laserhub-Vertrieb

2. Vorsichtig mit Corona-Hypes umgehen

Das Thema 3D-Druck ist zurzeit in aller Munde, täglich liest man von neuen Lösungen für Schutzausrüstungen oder Beatmungsgeräte. Trotzdem mahnt Björn zu Bedacht: “Ganz ehrlich: Mit einer Sonderschicht bei manchem Spritzgießer lassen sich etwa Schutzmasken-Komponenten wahrscheinlich wesentlich schneller herstellen. Das Thema 3D-Druck wird sehr aufgebauscht momentan und es werden Erwartungen an die additive Fertigung gestellt, derer sie nicht gerecht werden kann.” Anton von Laserhub stimmt dem zu: “Auch wenn sich die eigene Lösung für die aktuelle Zeit empfiehlt, sollte jedes Unternehmen auf seine Tonalität achten. Es entsteht sonst schnell der Eindruck, dass man Profit aus der Krise ziehen möchte.” Sein One-Click-Metal-Pendant Miriam ergänzt: “Gerade langfristig, wenn viele wieder genauer hinschauen, könnte sich das negativ aufs Firmenimage auswirken.” Richtig macht es One Click Metal (zumindest nach Antons Meinung) mit der Kommunikation rund um den Aufruf der Europäischen Kommission, die gerade innovative Unternehmen vernetzt, um hilfreiche Lösungen gegen die Pandemie zu entwickeln. Das Start-up hat bekannt gegeben, dass es sich dort beworben hat, das reicht auch. “Wir hoffen natürlich, helfen zu können – haben ansonsten aber nicht zu viel versprochen”, sagt Björn. 

Wir müssen aufpassen, dass wir unsere Themen nicht zu sehr aufbauschen und falsche Erwartungen wecken.

One-Click-Metal-Gründer Björn Ullmann

3. Neue Vertriebswege öffnen

Einen positiven Aspekt sieht Alex aber im 3D-Druck-Hype: “Grundsätzlich beschäftigen sich jetzt viele Unternehmen mit der Thematik. Ich glaube, dass die Bereitschaft steigen wird, über das Verfahren in der eigenen Fertigung nachzudenken.” Stellt sich nur die Frage, wie man jetzt eine Maschine an den Mann oder die Frau bekommt. Alex: “Viele wollen eine Maschine mit eigenen Augen gesehen haben, bevor sie sie kaufen. Wir testen aber gerade Möglichkeiten, das auch aus der Ferne zu lösen.” So wie sich die Welt gerade entwickelt, wird der hier betriebene Aufwand einen nachhaltigen Zweck haben. Denn Corona wird den aktuellen Wandel im Vertrieb weiter beschleunigen. Jethro zieht den direkten Vergleich zu seinem vorherigen Job: “Früher bin ich 50.000 Kilometer im Jahr gefahren, um mit Kunden in Kontakt zu bleiben. Da feiere ich es schon fast, dass wir das heutzutage mit digitalen Werkzeugen angehen.”

4. Die Gunst der Stunde nutzen, um die Zielgruppe zu bilden

Apropos digital: Bei Laserhub sprechen wir gerne von unserer “heterogenen Zielgruppe”, gerade was digitale Kompetenz angeht. Kein Wunder, ein typischer Schlossereibetrieb musste sich bis dato auch noch nicht mit digitalen Beschaffungsprozessen auseinandersetzen. Alex kennt das auch von seinen Kunden: “Wir bei One Click Metal stehen vor einer ganz ähnlichen Herausforderung, wenn es etwa darum geht, Bauteil-Zeichnungen über die Cloud auszutauschen. Es gibt viele Berührungsängste – ich sehe das allerdings als Chance dafür, dass Unternehmen jetzt aus ihrer Komfortzone raus müssen, sie müssen sich zwangsläufig Gedanken machen, wie sie sich digital besser aufstellen. Bis vor kurzem fehlte oft auch Zeit, die Leute sauber abzuholen.” Zeit, das ist aber tatsächlich eine Ressource, die jetzt wieder mehr zur Verfügung steht. Jethro vom Laserhub-Vertrieb will die Gelegenheit nutzen: “Gerade jetzt, wo viele nicht irgendwo auf der Baustelle stehen oder ihnen sonstwie das Tagesgeschäft um die Ohren fliegt, sind viele bereit, sich von uns über digitale Prozesse aufklären zu lassen.” Außerdem helfe es, dass der Alltag vieler zwangsweise digitaler geworden sei. 

Alex Wilms vom Vertrieb von One Click Metal

Für digitale Start-ups ist es eine große Chance, dass viele jetzt aus der Komfortzone herausmüssen.

Alex Wilms vom One-Click-Metal-Vertrieb

5. Die Verbindung miteinander halten (und aufs persönliche Wiedersehen freuen)

Bei aller digitaler Zupackstimmung, die sowohl bei Laserhub als auch One Click Metal herrscht, vermisst jeder doch so langsam seine Kolleginnen und Kollegen. Miriam sagt dazu: “Ich war die ersten zwei Wochen wirklich überrascht davon, wie gut es tat, sich mal wirklich in Ruhe auf seine Arbeit konzentrieren zu können. Aber in drei Wochen würde ich auch gerne mal wieder ins Büro fahren.” So ging es allen Beteiligten. Deswegen war man sich einig: Aktuell sollte jedes Unternehmen so viel Energie wie möglich darin stecken, dass die Belegschaft auch digital den Draht zueinander hält. Und wie das Gespräch bewies, funktioniert es auch, sich per Google Hangouts kennenzulernen. Trotzdem freuten sich alle fünf auf das hoffentlich möglichst bald stattfindende persönliche Treffen – dann auch wieder mit Handschlag!